Erste Analyse des Deals über $74 Mrd. zwischen Bristol-Myers Squibb und Celgene

Gestern wurden die Märkte von der Nachricht der Übernahme von Celgene durch Bristol-Byers Squibb im Wert von $74 Mrd. überrascht. Die Akquisition ist die größte, die jemals im Pharmasektor getätigt wurde und übersteigt diejenige von Shire durch die japanische Takeda, die damals mehr als $62 Mrd. für das irländische Unternehmen bezahlt hatte, und sie übersteigt auch die Übernahme von Warner Lambert durch Pfizer im Jahr 2000 für $85 Mrd. (inklusive Schulden) .
Die Akquisition scheint jedoch nicht die Zustimmung der Investoren zu erhalten, denn der Aktienkurs von BMS verlor gestern um mehr als 13%, obwohl BMS einen relativ geringen Preis für Celgene bezahlt hat. Trotz der Bewertung durch BMS in Höhe von $102,4 je Aktie, entsprechend einem Premium von 51% gegenüber dem Schlusskurs des Vortages, ist dieser Preis etwa 25% geringer als Höchstkurs, der jemals von der Aktie der Celgene erreicht wurde. Zudem liegt die Gesamtbewertung damit bei $74 Mrd. (hinzu kommen Schulden in Höhe von $18 Mrd.) und sie entspricht damit einem Faktor von x10 des EBIT, welches Celgene für das Jahr 2019 erwartet; dieser Wert ist sehr gering, denn der Durschnitt im Pharmasektor liegt bei x19.
Mit der Akquisition von Celgene wird BMS eines der größten Pharmaunternehmen der Welt mit einer Kapitalisierung von mehr als $130 Mrd. und katapultiert den neuen Konzern an die Spitze des Onkologie-Sektors und des Kardiologie-Sektors. Mit dem Vertrag macht der CEO von BMS Giovanni Caforio sein Unternehmen weniger abhängig von den Blockbustern Opdivo und Eliquis. Während der Pressekonferenz mit Analysten hat der Vorstand vonBMS darüber informiert, dass er durch Synergien aus der Akquisition eine Einsparung von $2,5Mrd. bis 2022 erwartet. 55% davon entstehen durch Einschnitte beim Vertrieb und der Administration, 35% im F&E-Bereich und 10% durch Rationalisierungen bei der Produktion.
Mit der Akquisition erhält BMS auch das Medikament Revlimid, einen Blockbuster, der einen Umsatz von $10 Mrd. (2018) generiert und eine volle Pipeline im Bereich der Hämatologie, der BMS an die Spitze des Sektors bringt. Zudem ergänzt BMS sein umfangreiches Portfolio der Immuntherapeutika um die CAR-T-Technologie, die Celgene durch seine $9 Mrd.-Übernahme von Juno Therapeutics im Jahr 2018 erhalten hatte, eine Biotech-Firma, die die CAR-T-Therapie zur Behandlung besonderer Tumore entwickelt hatte. Im Jahr 2018 unterschrieb Celgene auch einen wichtigen Entwicklungsvertrag mit der Biotech-Firma Bluebird, von der nun BMS profitieren kann.
Die Bekanntgabe des Vertrags hat heute den anderen Aktien im Pharmasektor einen starken Impuls gegeben, welche hohe Cash-Reserven haben, weil viele Analysten erwarten, dass die Einigung von BMS und Celgene eine neue Serie von Akquisitionen einleutet. Unter den Gewinneraktien sind Gilead, Allergan und Biogen.