GoINPHARMA™ trifft Dr. Wolfram Eichner, Managing Director Apus Capital

 

Dr. Wolfram Eichner, Managing Director Apus Capital

Dr. Wolfram Eichner, Managing Director Apus Capital

Heute GoINPHARMA™ trifft Dr. Wolfram Eichner, Managing Director Apus Capital.

Wolfram Eichner studierte Biologie an der Universität Hannover und promovierte an der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF, heutiges Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung) in Braunschweig. Er hält einen MBA von der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) und ist zertifizierter Finanzanalyst (CEFA). Wolfram startete seine industrielle Laufbahn in der Medical-Forschung der Beiersdorf AG und war anschließend beim Gesundheitskonzern Fresenius in verschiedenen leitenden Funktionen tätig. 2006 wechselte er als Spezialist für Pharma-Aktien in die Finanzindustrie, wo er bis 2010 bei der ComInvest Asset Management GmbH (später übernommen von Allianz Global Investors) tätig war. Von 2011-2014 war er als Principal Consultant für die Mederi AG auf dem Gebiet Pharma/IT Beratung für Markteinführungskampagnen tätig. Parallel dazu rief er, zusammen mit anderen Investment-Experten, den Apus Capital Revaluation Fonds ins Leben, einen auf Neubewertungsansätze in ausgewählten Industriesegmenten (IT/Pharma) spezialisierten Aktienfonds.

GoINPHARMA™: Dr. Eichner, seit seiner Auflegung im September 2011 hat der Capital Revalue Fonds eine herausragende Performance erzielt und im vergangenen Jahr mit Rang drei einen Spitzenplatz unter den europäischen Vergleichs-Fonds erreicht. In welche Sektoren ist Apus bevorzugt investiert und wie erklären Sie sich diese guten Resultate?

Dr. Wolfram Eichner
: Unser Fokus liegt insbesondere (aber nicht nur) auf Industrien mit starkem Innovations-Fokus wie IT, Halbleiter, Software-Services, Biotech und Medizinaltechnologie. In diesen Sektoren verfügt das Apus Team über jahrzehntelange Erfahrungen, sowohl beruflich, als auch investmentseitig. Diese Erfahrungen und die damit verbundenen Netzwerke erleichten uns den Zugang zum Management der Unternehmen. Ohne solch direkte, nachhaltige Kontakte kommt bei uns kein Investment zustande.

GoINPHARMA™: Lassen Sie uns über den Biotech-Sektor sprechen, wie sehen Sie das Geschäftsfeld in Deutschland und wie würden Sie es mit dem Rest von Europa vergleichen?

Dr. Wolfram Eichner: In Deutschland gibt es eine Reihe von mehr oder weniger erfolgreichen Biotech Business Modellen, darunter sogar einige Biotech-‘Veteranen‘, obwohl der Begriff ‘Biotech‘ hierzulande unserer Meinung nach etwas inflationär benutzt wird, denn nicht bei jeder kleinen Firma mit einer frühphasigen Pharma-Entwicklung handelt es sich automatisch auch um ein Biotech-Unternehmen. Forschungsseitig muss man sich in Deutschland keinesfalls Fall verstecken. Die meisten Universitäten und Großforschungseinrichtungen forschen auf internationalem Niveau. Was bislang allerdings fehlt ist eine kollektive Erfolgserfahrung wie in den USA, wo sich einige ehemalige Biotech Start-Ups mittlerweile zu Top-10 Pharma-Unternehmen entwickelt haben. Dadurch ist enormer Shareholder Value entstanden mit der Folge, dass es zahlreiche Investoren und Analysten gibt, die mit derartigen Investments vertraut und in Bezug auf mögliche Risiken bestens geschult sind. In Deutschland gibt es diese breite Investorenbasis leider nicht. Ohnehin gelten Aktieninvestments hier als per se eher riskante Anlageform und Biotech-Investments als hoch spekulativ. Entsprechend ist es selbst für die erfolgreichen Unternehmen meist schwierig, in einem solchen Umfeld Kapitalmaßnahmen durchzuführen, um sich so die benötigten liquiden Mittel zeitgerecht zu beschaffen. Seit 2007 hat in Deutschland kein Börsengang eines Unternehmens der sog. ‘roten Biotechnologie‘ mehr stattgefunden. Wenn möglich, zieht es Börsenkandidaten gleich an die NASDAQ, weil man sich dort besser aufgehoben und verstanden fühlt. Natürlich unterscheidet sich diese Beobachtung nicht grundsätzlich von der Situation bei unseren europäischen Nachbarn, aber die Vielzahl der Biotech und MedTech Börsengänge speziell in Frankreich, Benelux und in Skandinavien in den letzten Jahren ist schon auffällig und mag als Indiz dafür herhalten, dass dort das Klima für Börsengänge und Investments in diesem Bereich förderlicher ist.

GoINPHARMA™: Worin unterscheidet sich die Investitionsstrategie von Apus Capital von anderen in der Branche?

Dr. Wolfram Eichner: Mit unserem ‘Revaluation-Ansatz’ verfolgen wir die Strategie, die Gewinner des Wandels frühzeitig zu erkennen und diese über die Wertschöpfungskette möglichst lange zu begleiten. Hierfür setzen wir auf häufige Unternehmenskontakte, vorzugsweise mit dem Management (ca. 500/Jahr) und erstellen hierzu auch eigenes Primärresearch. Mit anderen Worten: Wir vertrauen sehr stark auf die ausgeprägte Branchen-Expertise im Team und verlassen uns nicht wie viele andere auf die von Brokern zur Verfügung gestellten Research-Materialien.

GoINPHARMA™: Im Pharma-Sektor scheint es eine Tendenz der Big Pharma-Unternehmen zu geben, sich auf Kernschäfte zu konzentrieren und daher Bereiche, die nicht als solche gelten, abzustoßen. Dies hatte zu einem M&A-Fieber im Phama-Sektor geführt. Wie kann ein Investor wie Sie von dieser Dynamik profitieren?

Dr. Wolfram Eichner: Unser Investment-Ansatz ist nicht notwendigerweise darauf ausgerichtet, potentielle M&A Kandidaten herauszufiltern, aber es liegt natürlich in der Natur der Sache, dass erfolgreiche Gewinner des Wandels auch irgendwann auf der ’Einkaufsliste’ eines größeren oder finanzkräftigeren Players landen. Die Besonderheiten der Pharma-Industrie (extrem lange Entwicklungszeiten bei gleichzeitig endlichen Patentlaufzeiten, hohe Entwicklungsrisiken, um nur einige zu nennen), haben zu einer starken Konsolidierung im Markt geführt, in den zunehmend auch Private Equity und Player aus der CMO Industrie eingreifen. Um als mittelgroßes Unternehmen an der Börse eigenständig bleiben zu können, bedarf es in der Regel besonderer Strukturen, beispielsweise der Organisation als Stiftung. Allerdings ist nicht jedes mittelgroße Pharma-Unternehmen automatisch auch ein interessantes Akquisitions Target. Die Motivation für eine Akquisition kann sehr unterschiedlich sein, z.B. geprägt durch den Zugriff auf steuerliche Verlustvorträge oder sonstige steuerlich geprägte Überlegungen, den Wegfall zukünftiger Royalties oder die Konsolidierung von Unternehmens-Strukturen, zum Beispiel in der Forschung, der Produktion und im Vertrieb. Aus meiner Sicht ist es selbst für Experten sehr schwer, sich anbahnende Akquisitionen einigermaßen verlässlich zu prognostizieren.

GoINPHARMA™: Nun noch eine kurze Einsicht in die Zukunft und die Pläne von Apus Capital: in welche therapeutischen Bereiche sollte man langfristig, wo dagegen kurzfristig investieren (z.B. Diabetes lang oder kurz, ebenso Hepatitis C, Generika und Onkologie?)

Dr. Wolfram Eichner: Auch hier gibt es aus unserer Sicht keine goldene Regel, insbesondere kein lang oder kurz. Grundsätzlich ist für uns der Pharma-Markt als Ganzes ein strukturelles Langfrist-Investment, nicht zuletzt wegen der demografischen Entwicklung und dem damit kontinuierlich steigenden Bedarf an medizinischer Versorgung.
Unter Berücksichtigung der erzielten und erzielbaren Umsätze ist der Bereich ‘Onkologie’ sicher von herausragender Bedeutung, auch wegen des hohen Leidensdrucks bei den Betroffenen. In der sog. Immun-Onkologie werden gerade hoch wirksame Krebs-Therapien entwickelt, die das Potential haben, aus in der Regel tödlich verlaufenden Erkrankungen chronische zu machen. Aber auch hier kommt man als Investor nicht um eine Einzalfallbetrachtung herum, denn am Ende werden es vermutlich intelligente Kombinationstherapien von immun-onkologischen Therapien untereinander oder mit anderen Wirkmechanismen sein, die den langfristigen Erfolg bringen.
Eine ähnliche Betrachtung gilt für Diabetes. Es steht für uns außer Frage, dass sich diese Volkskrankheit weiter stark ausbreiten wird, vor allem auch in China. Andererseits ist mittlerweile auch eine weitgehende Basis-Versorgung mit generischen, d.h. patentfreien Wirkstoffen gegeben, was sich nachteilig auf die Potentialausschöpfung neuartiger Diabetes-Therapien auswirken könnte.
Für eine nachhaltige, langfristige Investment-Strategie würden wir daher den bewährten Industrie-Leadern in ihren jeweiligen Segmenten vertrauen.


About Apus Capital

Der Apus Capital Revalue Fonds wurde von den Initiatoren im September 2011 als flexibles Anlagekonzept (Mischfonds) gegründet. Der Fonds ist bei der Kapitalanlagegesellschaft HansaInvest aufgelegt und investiert momentan ausschließlich in Aktien, vorrangig von Unternehmen mit bedeutenden Veränderungen aus den Bereichen Technologie und Gesundheitswesen. Ziel ist es, die sog. Gewinner des Wandels frühzeitig zu erkennen und diese entlang der Wertschöpfungskette bis zur Ausschöpfung des Kurspotentials zu begleiten.