Medikamenten-Preis, wie funktioniert das deutsche System: einige Daten

In den letzten Monaten war die Diskussion bezüglich der Preise für Medikamente in den USA der Fokus vieler Debatten und hat sogar die Präsidentenwahl in den USA beeinflusst. Es hat sich gezeigt, dass die US-Politik offensichtlich darin übereinstimmt, die Erhöhung der Kosten für Pharmaka stoppen zu wollen. Nun ist es auch interessant zu verstehen, wie das optimale Modell hierfür sein könnte. Die Zeitschrift Health Affair Blog hat das deutsche Modell genauer untersucht und vorgeschlagen, was wirksam die Preise senken könnte. Dieses Modell, genannt AMNOG (Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz), hat gezeigt, seit 2011 sehr gut zu funktionieren. Die vom Artikel identifizierten prinzipiellen Charakteristika sind die Bewertung der innovativen Medikamente, die eine deutliche Therapieverbesserung darstellen, den direkten Zugang zu der Behandlung, die Nutzung stattlicher Non-Profit-Organisationen und die größtmögliche Kostenübernahme durch die Pharmahersteller. Der Medikamentenpreis wird nur durch die Bewertung der klinischen Wirksamkeit und durch die Verhandlung mit den Pharma-Unternehmen und anderen Stakeholdern bestimmt, wodurch die staatliche Bürokratie umgangen wird. Schon seit langem scheint Deutschland eine der Nationen, in der der Preis für Medikamente hoch ist, wie es auch vor Einführung des ANMOG war, so dass die Kosten für Pharmaprodukte um 26% höher lagen als im Rest der Europäischen Union. AMNOG wurde im Jahr 2011 eingeführt und hat es bis August 2016 ermöglicht, 146 neue Medikamente zu bewerten, von denen 63% einen positiven klinischen Effekt haben, wenn auch nur für die Hälfte der Patientengruppen. Und das wirtschaftliche Ergebnis spricht von einer Ersparnis von 1 Mrd. Dollar allein im Jahr 2015, mit einem durchschnittlichen Skonto von 21%. Das deutsche System hat eine Einsparung der Gesundheitskosten je Person (-0,7% vs +2,7% in den USA) ermöglicht. Die wichtigsten Schritte, durch die das AMNOG funktioniert, sehen vor, dass der Hersteller neue Medikamente, nach der Zulassung durch die EMA, auf den deutschen Markt einführen kann, mit einem Preis seiner Wahl, welcher in den ersten 12 Monaten vollständig von den deutschen Krankenkassen ersetzt wird. Während des ersten Jahres der Vermarktung führen die G-BA und einige Patienten-Repräsentanten eine Wirksamkeitsstudie durch, die vom IQWiG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) überwacht wird und welche die Ergebnisse im Vergleich zu schon bekannten Standardtherapien bewertet. Innerhalb von sechs Monaten entscheidet das G-BA, welchen Nutzen es dem neuen Medikament gegenüber den verfügbaren Therapien beimisst. Auch eine Rangliste bezüglich der Untergruppen von Patienten wird erstellt. Der vierte Schritt sieht eine erste Verhandlung mit den Pharmaunternehmen vor. Der letzte Schritt, falls das Medikament gegenüber herkömmlichen Behandlungsmethoden keine Verbesserung zeigt, umfasst eine Rückerstattung in gleicher Höhe wie die Kosten bisheriger Behandlungen. Wenn sich somit die Pharmahersteller dazu entschließen, einen zu hohen Preis anzusetzen, zahlt der Patient die Mehrkosten. Falls ein Unternehmen sich dazu entschließt, einen hohen Preis im ersten Jahr der Vermarktung festzusetzen, muss die Differenz zurückbezahlt werden. (Quelle: Health Affair Blog)